Bis zum bitteren Ende – Endivien ernten

Achtung, RIESENdivien!

“Boah, seid ihr aber groß geworden!” freuen sich hier nicht Tante Hilde und Onkel Achim beim Familienfest, sondern wir beim Anblick unserer Pracht-Endivien. Unsere Mission ist klar: Einige Blätter werden wir bereits ernten und einige zu dicht stehende Pflanzen vereinzeln. Dann haben die im Beet verbleibenden Endivien genug Platz und wachsen zu riesigen, breiten, gut gefüllten Rosetten mit bis zu 40 bis 50 cm Durchmesser heran. 

Unbefleckt sieht anders aus: Nur diese eine Pflanze sieht wegen ihrer trockenen, schwarzen Blattränder und Flecken unappetitlich aus und kommt samt Wurzel auf den Mulch.

Fast allzeit (ernte)bereit

Doch wann ist eigentlich Erntezeit im Endivienbeet? Ziemlich früh und lange! Denn sobald die Pflanzen das Babyleaf-Stadium erreicht haben, sind sie genussreif. Von den bis zum Frost weiter wachsenden Pflanzen darfst du immer wieder die äußeren Blätter pflücken. Stehen die Endivien zu dicht, kannst du auch ganze Pflanzen aus dem Boden ziehen und den verbleibenden so mehr Platz schaffen. Schneide anschließend die Wurzel und eventuell noch die äußeren Blätter ab, falls sie welk oder angefressen sind, wasche die Rosetten gründlich mit kaltem Wasser – und schon hast du tafelfertigen Endiviensalat.
Wenn du Saatgut gewinnen möchtest, sollten 2-3 Pflanzen stehen bleiben, denn Endivien sind Fremdbefruchter. Sie blühen jedoch erst im zweiten Jahr. Endivien sind allerdings sehr frostempfindlich. Sie überleben den Winter im Freiland nur bei sehr milden Temperaturen und wenn sie mit etwas Reisig geschützt werden. Vor dem Abdecken können noch die äußeren Blätter geerntet werden. Das Herz sollte aber unverletzt bleiben. Anders als bei den nahe verwandten, frosthärteren Zichorien gibt es von den Endivien bei uns keine nahe verwandten Wildarten, mit denen sie sich kreuzen können. Insofern kann Endiviensaat selbst dann sortenrein geerntet werden, wenn blühende Wegwarten und Chicorée unmittelbar neben ihnen stehen. Die Gewinnung hochwertigen Saatgutes gelingt wegen der mangelnden Frosthärte leider nur selten, und die Reinigung ist sehr aufwändig.

Von klein ...

... zu lecker!

Wer daher lieber die ganze Pflanze als Salat verwenden möchte, sollte die Endivien komplett abernten, ehe strenge Fröste einsetzen. Eine Abdeckung mit Reisig und Folie kann die Erntezeit verlängern. Früher wurden die Endivien unter bauchigen Tongefäßen gebleicht. Dadurch werden die Blätter zarter und sind obendrein weniger bitter. Allerdings werden durch all diese Maßnahmen die Luftfeuchtigkeit und mindestens tagsüber auch die Temperaturen erhöht. Ein wesentlicher Nachteil besteht darin, dass auf diese Weise der Tisch für die Nacktschnecken länger gedeckt bleibt, wenn man sie nicht regelmäßig absammelt.

Leckerer Salat und alkoholfreier Magenbitter

Schneide die Endivienblätter in mundgerechte Stücke und iss sie möglichst frisch als Salat! Obacht, denn vor allem die äußeren, dunkelgrünen Blätter können etwas hart sein und eine leichte Bitternote haben. Sensible Gaumen mischen Endivien daher gern mit anderen Blattsalaten. Wie lange du die Pflanze ungebleicht wachsen lässt, und wie warm oder kalt es draußen ist, hat übrigens keinen Einfluss auf die Bitterkeit. Apropos: Lass dich von dem etwas herben Geschmack nicht abschrecken, denn die Endivien gehören zu den schönsten und gesündesten Salaten, die es im Herbst gibt. Die Bitterstoffe sind darüber hinaus appetitanregend und fördern die Verdauung.

In diesem Sinne – guten Appetit! 

Black Turtle – Alte Sorten für junges Gemüse – ist ein Projekt von Ackerdemia e. V., gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Verbundvorhabens “Alte Sorten für junges Gemüse“ zusammen mit dem BUND Brandenburg.