Gemüse & Klima (I)
Vom Wandel des Klimas und unserer Ernährungsgewohnheiten 

Wetterkapriolen waren gestern. Aus Tendenzen wurden Trends. Über Jahrhunderte recht verlässliche Bauernregeln zur Wetter-Vorhersage treffen immer seltener zu. Das stabile Gleichgewicht, in dem sich unsere Welt eben noch befand, ist offenbar ins Wanken geraten.

Hitzeperioden und Eiszeiten gab es schon in früheren erdgeschichtlichen Epochen. Wie wenig wissen wir doch noch immer über deren Ursachen und über die tatsächlichen Lebensbedingungen jener Tage! Wir Menschen konnten seinerzeit jedenfalls wenig für oder gegen diese großen Schwankungen tun. Diesmal hingegen steht fest, dass wir einen maßgeblichen Einfluss auf das gegenwärtige Geschehen ausüben. Leider beginnen wir aber gerade erst eben jetzt damit, uns als Gesellschaft dessen bewusst zu werden, was Forscher uns seit langem vermitteln wollen. 

Jeden Atemzug verdanken wir der pflanzlichen Photosynthese. Ohne Pflanzen, ohne Sauerstoff kann kein Mensch, kein Tier, kein Pilz leben, kann kein Feuer brennen. Leben, so wie wir es kennen und für selbstverständlich halten, wäre ohne freien, in Wasser gelösten und atmosphärischen Sauerstoff gar nicht erst entstanden. Nur Grünpflanzen vermögen es, Sauerstoff aus seinen chemischen Verbindungen zu lösen und freizusetzen!

Was immer wir essen, wovon sich die gesamte Tierwelt ernährt, geht ebenfalls primär auf Pflanzen zurück. Außerdem prägen sie das Klima entscheidend mit, indem sie atmosphärisches Kohlendioxid aufnehmen und daraus eine Vielzahl hochmolekularer Verbindungen aufbauen. Wie wir heute mit der Pflanzendecke unseres Planeten umgehen, das entscheidet noch in tausenden Jahren über das irdische Klima und darüber, wovon wir uns künftig ernähren können, wie wir leben werden. Welche Nahrungspflanzen, welche nachhaltigen, natürlich abbaubaren Ressourcen wie z. B. Rohstoffe, Bau- und Brennmaterialien, Heilmittel und Fasern stehen uns dann noch zur Verfügung? Wieviel vom Menschen unberührte Natur wird es geben? Werden die lebensfeindlichen Faktoren irgendwann einmal stärker sein als jene Einflüsse, die die Ursprünge des Lebens auf diesem Planeten anfangs ermöglicht haben? Welche Prognosen erstellt die Wissenschaft? Wieviel Zeit haben wir noch, um gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse in gesamtgesellschaftliches, globales Handeln zu übersetzen, unsere Verantwortung als zivilisierte Menschheit wahrzunehmen?

Warum zur Klimarettung beiträgt, wenn wir uns wieder mehr aus eigener Kraft und eigenem Anbau ernähren, von regional angepassten, gern auch alten Sorten zum Beispiel, das wird im folgenden, im zweiten Beitrag deutlich. Hoffentlich.

tg 2020-09-23  

Black Turtle – Alte Sorten für junges Gemüse – ist ein Projekt von Ackerdemia e. V., gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Verbundvorhabens “Alte Sorten für junges Gemüse“ zusammen mit dem BUND Brandenburg.