Reifes Canetti-Saatgut schon Anfang August!

Gestern mochte ich einfach nicht länger warten. Falls es jetzt öfter regnen sollte, würden die Nacktschnecken womöglich aus ihrem Sommer-Koma aufwachen. Nicht auszudenken was passiert, wenn sie nachts auf ihren glitschigen Sohlen herbeieilen, um begierig über all die schönen, reifenden Bohnen herzufallen, die bei der herrschenden Trockenheit so prächtig gediehen und von ihnen so lange verschont geblieben sind!

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Elf voll- und eine halbreife Hülse waren es von den beiden Pflanzen – das übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Die Früchte sind alle gesund und unversehrt, tadellos. Doch die Pflanzen haben sich offenbar ein bisschen verausgabt und ihre ganze Kraft in die Ausbildung ihrer ersten Früchte gesteckt, dabei aber fast alles Laub verloren – selbstlos, wie gute Eltern eben sind. Erst jetzt zeigen sich kleinere Seitentriebe, die hoffentlich noch etwas wachsen, blühen und Ertrag bringen werden. Ehrlich gesagt, bin ich noch immer und jetzt erst recht darauf gespannt, sie zu kosten. Darauf habe ich bisher schweren Herzens verzichtet, wollte unbedingt erst einmal reifes Saatgut gewinnen.

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Das hat jedenfalls richtig gut geklappt: Sogar die Bohnen aus der halbreifen Frucht waren schon trocken, zusammen über 100 Samen von den zwei Pflanzen und ihren jeweils sechs Früchten! Jetzt ist es wichtig, das wertvolle Saatgut schnellstens unter Verschluss zu bringen, damit die Samenkäfer ihm nicht den Garaus machen. Verschlossene Papiertüten sind ideal dafür, auch Gläser mit lose aufgelegtem Deckel tun es zur Not. Innen beschlagen dürfen die Gläser nicht. Die Restfeuchte sollte entweichen können. Das ausgereifte Saatgut werde ich trocken, dunkel und kühl aufbewahren. Bleibt nur, gelegentlich nachzuschauen, ob sich nicht doch Käfer oder andere Vorratsschädlinge eingeschlichen haben.

Heute, am ersten Tag nach dem Urlaub wieder auf dem MalzAcker, trifft mich beinahe der Schlag: Hier bietet sich ein ähnliches Bild, nur noch grandioser: An der Südwand hängen die bereits ausgereiften Hülsen, 44 (in Worten: vierundvierzig) an der Zahl, und das von ganzen drei Pflanzen! Die längsten Früchte bringen es auf 65 cm, und sie enthalten bis zu 17, selten auch 18 Samen. Wer bietet mehr? Auch hier zeigen sich erst wenige, kleine Seitentriebe und junge Blätter. Wir dürfen also auf eine weitere Ernte hoffen.

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Von den beiden Pflanzen im Halbschatten lebt nur noch eine. Sie hat nur drei reife Früchte mit 1, 15 und 18 Samen hervorgebracht, sieht dafür aber vitaler aus und ist reicher belaubt als die anderen an der Südwand. Außerdem blüht und fruchtet sie schon wieder. Die zweite hingegen hat den Kampf gegen die benachbarten Kürbisse und Kartoffeln verloren. Ihre beiden ausgereiften Früchte lagen am Boden, waren leergefressen – Mäuse? Wie gut, dass ich alle anderen Früchte hochgelegt habe.

Wieder ein anderes Bild bietet das Gewusel im Hochbeet. Hier ist das Canetti-Saatgut noch nicht ausgereift, aber die ausgewachsenen Hülsen schrumpeln bereits. Tja – und die am ersten August gesäten Radieschen, die keimen tatsächlich schon! Die Kartoffeln grünen und blühen immer noch üppig, verschwenden offenbar keinen Gedanken an die Knollenbildung. Sogar die Black Turtles geben ihr Bestes in diesem Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Wasser, um Platz und Licht.

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Doch ich will nicht vom Thema ablenken. Die nächsten appetitlich aussehenden, grünreifen Spaghetti-Canetti-Früchte wandern ganz bestimmt in die Küche und kommen dann sogleich auf den Teller. Versprochen! Bei solchen Prachtexemplaren wie auf diesen Bildern, die uns eine Black Turtle Teilnehmerin zugeschickt hat, freuen wir uns gleich doppelt. Guten Appetit!



Thomas