Agri- und Horticultura: Anbaumethode GemüseAckerdemie

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Einige dieser Bewirtschaftungsformen stellen wir an dieser Stelle kurz vor und beginnen mit der „eigenen“, von der GemüseAckerdemie entwickelten und praktizierten Anbauweise. Natürlich wurden dafür in der Praxis erprobte Elemente anderer Wirtschaftsweisen übernommen, ggf. auch modifiziert. Sie versteht sich als Empfehlung, ist also kein starres Dogma. Im Gegenteil: Verbesserungen, Weiterentwicklungen und regionale Anpassungen „unserer“ Wirtschaftsweise sind durchaus möglich, ja sogar erwünscht.

Dr. T’s Garten, Gemüseackerdemie Methode

Dr. T’s Garten, Gemüseackerdemie Methode

Entstanden ist die Idee in den 1980er Jahren durch ein beruflich bedingtes Pendlerleben, mit wenigstens teilweiser Selbstversorgung an mehreren Wohn- und Arbeitsorten – zu der auch die Verwendung eigener, selbst erhaltungszüchterisch bearbeiteter Sorten gehört. Seither erfolgt eine Anpassung der Technik und ggf. immer wieder Erweiterung und Testung weiterer Arten und Sorten. Die Äcker bzw. Gärten tragen eine möglichst große Arten- und Sortenvielfalt bei Obst, Gemüse und Getreide, wobei sich der Pflege-Aufwand im Schnitt auf einen Arbeitstag je Ort in zwei Wochen beschränkt. Für das Gemüse wird ein breites, jährlich wanderndes Mulchbeet angelegt (Gurken, Kürbisse, Mais, Tomaten), auf das nach geeigneter Nachbarschaft und Fruchtfolge die Stark-, Mittel- und Schwachzehrer folgen. Auf die Anlage von Komposthaufen wird zugunsten der Flächenkompostierung verzichtet, um das Bodenleben in den bestellten Beeten zu fördern. Folglich kommen grundsätzlich keine Chemikalien zum Einsatz (Düngung, Pflanzenschutz). Gewässert wird nur während der 14-tägigen Arbeitseinsätze und nur bei Bedarf. Diese Technik wurde 1:1 auf die GemüseAckerdemie übertragen und die Besuchsfrequenz je Fläche lediglich auf eine mindestens wöchentlich zu gestaltende AckerStunde angepasst.

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Für Schulklassen und für Erwachsene haben sich 80 cm breite Beete mit 1 – 3 Reihen Gemüse als am besten geeignet erwiesen, für Kitas 60 cm breite Beete mit 1 – 2 Reihen Gemüse. Die Beete sind durch 40 cm breite Wege voneinander getrennt, die Außenwege möglichst breiter (bis 1 m). Die ca. 30 Arten umfassende Fruchtfolge hat sich in den zurückliegenden Jahren mehrfach geändert, um den Wünschen der Kinder gerecht zu werden, aber auch um neuen und wenig bekannten Gemüsearten und -sorten eine Chance zu geben. Seit 2019 wird ein Experimentierbeet angeboten, auf dem z.B. die Saatgutgewinnung thematisiert werden kann oder eine eigene Jungpflanzenanzucht erfolgt. Wie in der Integrierten Landwirtschaft werden die Pflanzenbestände genau beobachtet und bestimmte Schadschwellen definiert oder Stagnation im Wachstum festgestellt, ehe z.B. – wenn gewünscht – Pflanzenjauchen oder Schneckenbretter zum Einsatz kommen bzw. bewässert wird. Nützlingsschutz und Ressourcenschonung werden großgeschrieben und Ertragseinbußen weitgehend toleriert.

Canettiblüte auf dem Acker der Gemüseackerdemie.

Canettiblüte auf dem Acker der Gemüseackerdemie.

Über die Wintermonate wird der ganze Acker dick gemulcht (ideal sind ca. 50 cm), wobei die Schicht regelmäßig zu wenden und zu lockern ist, um schwer abbaubare Bestandteile (wie Eichenlaub und Kiefernnadeln) besser zu durchmischen, mit Sauerstoff zu versorgen und so schneller aufzuschließen. Der angerottete Mulch dient nach dem Umgraben im Frühjahr den Bodenorganismen das ganze Jahr über als Lebensraum und Nahrung. Er düngt somit auch die Gemüsepflanzen gleichmäßig. Grobe Bestandteile und Überschüsse dienen zur Anlage des neuen Mulchbeetes.

Von allen Gemüsearten werden samenfeste Sorten aus biologischer Züchtung oder aus eigenem Nachbau verwendet, da nur so eine langfristige, nachhaltige Bewirtschaftung möglich ist.

Thomas