Agri- und Horticultura: biologisch-dynamischer Anbau

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Demeter - viele Menschen kennen das Logo: den weißen Schriftzug auf orangefarbenem Hintergrund. Der Name der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit ist nicht nur Bioladen-Einkäufer*innen ein Begriff. Wir wollen in unserer Reihe kurz die Anbaumethode dieses ersten deutschen Bio-Anbauverbandes vorstellen.

Ein Bio-Anbauverband zeichnet sich durch den Zusammenschluss biologisch wirtschaftender Erzeuger*innen von landwirtschaftlichen und von Produkten des Gartenbaus aus. Der Verband dient sowohl der gemeinsamen Vermarktung als auch der Kontrolle der einzelnen Betriebe bezüglich der Einhaltung der verbindlichen Anbau-Richtlinien.

Über die Entstehung der biologisch-dynamischen Anbaumethode von Demeter ließe sich viel schreiben, existiert dieser Verband doch bereits seit 1924. Die Anbaumethoden gehen auf Impulse Rudolf Steiners zurück, der auch die Waldorfpädagogik und die anthroposophische Heilweise initiierte. Die von ihm begründete Anthroposophie (eine Verschmelzung der altgriechischen Begriffe für “Mensch” und “Weisheit”) ist eine spirituell-esoterische Weltanschauung. Die Auseinandersetzung mit Steiners Ideen und ihre Weiterentwicklung dauern bis heute an.

Was ist nun das Besondere am biologisch-dynamischen Pflanzenbau, was kennzeichnet ihn? Grundsätzlich wird die Feldwirtschaft nicht isoliert von der Viehwirtschaft gesehen und verstanden. Die eigene Saatgutproduktion und der Beitrag zur Landschaftspflege gehören ebenso dazu. Die Bewirtschaftungsweise muss den Bedingungen des Standortes angepasst sein.

Inhaltlich geht es hauptsächlich um die folgenden Punkte:

  • Respekt vor Tieren, Pflanzen und Landschaften, deren Integrität geachtet wird und die ihrem Wesen gemäß ge- bzw. erhalten und bewirtschaftet werden. Für die agronomischen Zeitpunkte finden außer der Jahreszeit und der Witterung beispielsweise auch die Mondphasen Berücksichtigung.

  • Von zentraler Bedeutung ist die bestmögliche Qualität der erzeugten Lebensmittel. Folgerichtig wird neben der Optik, Pflanzengesundheit und Ertragsparametern bisher wohl nur bei der Züchtung und Vermehrung von Demeter-Sorten auch auf deren Geschmack und Bekömmlichkeit geachtet.

  • Tierhaltung, Pflanzenbau und Düngerwirtschaft werden als ausgewogene Teile eines Stoffkreislaufes gesehen, in den die Höfe eingebunden sind und den sie mitgestalten. Das Engagement für Biodiversität ist in den Richtlinien festgeschrieben: mindestens 10 % der Betriebsfläche müssen sogenannte “Biodiversitätsflächen” sein, beispielsweise Streuobstwiesen oder auch Flächen, auf denen alte Sorten angebaut werden. Grünland, das nicht gemäht oder extensiv beweidet wird, zählt ebenso dazu wie Flächen der Agro-Forstwirtschaft. Diese Methode wird übrigens in unserer Reihe zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

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  • Es werden biodynamische Präparate eingesetzt und auch selbst hergestellt, die zur „Weiterentwicklung von Boden, Pflanzen und Tieren im landwirtschaftlichen Betrieb beitragen“, sie z.B. stärken oder weniger frostempfindlich machen.

  • Die Selbstversorgung des Betriebes mit eigenen Düngemitteln wird angestrebt. Es sind verschiedene organische Dünger und Mulchmaterialien zugelassen, außerdem mineralische Ergänzungsdünger und Tonerden.

  • Der Einsatz von Hybridsaatgut in der Züchtung und im Nachbau ist nicht erlaubt. Der Nachbau und die erhaltungszüchterische Bearbeitung samenfester Sorten wird gefördert, damit sich die Pflanzen an den Standort anpassen und sich die Sorten weiterentwickeln können.

  • Die Betriebe wissen zwar um den förderlichen Charakter der eigenen Jungpflanzenanzucht, doch auch im Bioanbau werden Setzlinge oft von großen Bio-Jungpflanzenbetrieben bezogen und nicht grundsätzlich alle auf dem eigenen Hof angezogen. In der Jungpflanzenproduktion wird allerdings (noch?) nicht auf Torf als Bestandteil des Anzuchtsubstrates verzichtet.

    Übrigens: Die GemüseAckerdemie und auch Black Turtle empfehlen grundsätzlich torffreie Erdmischungen zur Jungpflanzenanzucht, um die Moore mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten als Lebensräume zu schützen und um das im Torf der Moore gebundene Kohlendioxid dort zu halten. Die wenigen auf der Welt noch vorhandenen, ausgedehnten, vom Menschen bisher nicht genutzten Moorflächen bewirken wie die ausgedehnten natürlichen Wälder durch die Verdunstung von Wasser eine Abkühlung des Klimas. Mehr zu dem Thema kannst Du hier nachlesen.

  • Dem Boden und seiner Bearbeitung wird wie in allen Biobetrieben eine besonders wichtige Rolle zugeschrieben, denn er soll ohne mineralische, synthetische Düngung anhaltend fruchtbar bleiben. Das Pflügen galt lange als wichtiger Bestandteil der biologisch-dynamischen Anbauweise. In neuerer Zeit stellen etliche Demeter-Betriebe auf pfluglose Methoden der Bearbeitung um. Dadurch wird der Abbau der Humusschicht verhindert, die Erosionsgefahr nimmt ab, eine weitere Verdichtung des Bodens unterbleibt, es bildet sich keine Pflugsohle, und die naturnahe Schichtung des Oberbodens mit seiner Lebewelt bleibt erhalten.

    Ein Bericht aus dem Jahre 2000 über einen 21 Jahre lang geführten Langzeitversuch in der Schweiz, in dem die ökologische und die ökonomische Leistungsfähigkeit von drei Anbausystemen verglichen wird, zeigt das große Potenzial der ökologischen gegenüber den konventionellen Anbaumethoden auf: Sie fördern das Bodenleben, erhöhen die Artenvielfalt in Flora und Fauna, und sie ermöglichen eine ressourcenschonende Agrarproduktion.

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Im nächsten Artikel dieser Reihe wird die organisch-biologische Anbaumethode vorgestellt, wie sie der Anbauverband „Bioland“ anwendet. Worin bestehen die Unterschiede zu der Anbaumethode von Demeter?

Eva