Agri- und Horticultura: von den Anfängen bis zur Gegenwart

Ceres, griechische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit

Ceres, griechische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit

Die „Erfindung der Landwirtschaft“ liegt rund 10.000 Jahre zurück und erfolgte am Ende der letzten Eiszeit auf mehreren Kontinenten unabhängig voneinander – basierend auf den Erfahrungen der jungsteinzeitlichen Jäger und Sammler, die sich von den Tieren und Pflanzen ernährten, die in den jeweiligen Regionen vorkamen.

Bezogen auf die Wildpflanzen reichten die einfachsten Techniken der Inkulturnahme von der Unterschutzstellung einzelner fruchttragender Bäume und deren Sämlinge über die Ausweisung von Bannwäldern bis zum Wanderfeldbau mit Brandrodung und anschließender Einsaat der Vorfahren unserer modernen Getreide in die nährstoffreiche Holzasche.

Diese „neolithische Revolution“ war ein Prozess, der sich über Jahrtausende hinzog. Er führte schließlich dazu, dass die Menschen sesshaft wurden, dass sie Städte gründen und Hochkulturen etablieren konnten – und dass Kulturpflanzen und Haustiere die bis dahin vorherrschenden Wildarten in der Ernährung der Menschheit weitgehend ablösten.

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Die Plastizität der Arten ermöglicht ihre schrittweise Anpassung an die Bedürfnisse der Menschen, die wiederum die Kulturtechniken kontinuierlich weiterentwickeln und optimieren, um stabile Erträge auf immer höherem Niveau zu sichern und Ernte-Ausfälle bzw. -Verluste zu vermeiden.

Die ursprünglich genutzte Artenvielfalt reduziert sich auf solche Kulturpflanzen, die aus kulturellen und religiösen Gründen oder die wegen bestimmter Ernährungsgewohnheiten (bzw. gegebener Zwänge) bevorzugt werden. Wichtige Auswahlkriterien sind die Bekömmlichkeit, Vorlieben und Verfügbarkeit. Die Pflanzen sollten einfach anzubauen, zu lagern und weiterzuverarbeiten sein, aber auch vieles mehr: Gesellschaftliche Schichtungen, Modeströmungen, gesundheitliche Aspekte, Handel, Transport und Verkehr, ein durch Beutezüge, Kriege, Migration und durch das Arbeitsleben geprägtes, gelegentlich sogar „von oben“ befohlenes Anbau- und Konsum-Verhalten (Kartoffelbefehle Friedrich II.) erschließen neue Nahrungsquellen und lassen traditionelle in Vergessenheit geraten (z.B. Hirsebrei).

Kochbücher sind beredte Zeugen kulinarischer Vergangenheit und Gegenwart. Je wichtiger eine Kulturpflanzenart für die menschliche Ernährung war oder ist, desto größer ist die Bandbreite ihrer innerartlichen Variationen einschließlich der Anzahl verfügbarer Sorten.

Von den etwa 6.000 Pflanzenarten, die für die menschliche Ernährung kultiviert werden, machen gegenwärtig allein 9 Arten (Kartoffel, Mais, Maniok, Ölpalme, Reis, Sojabohne, Weizen, Zuckerrohr und Zuckerrübe) 66 % der kompletten Welternte aus (Zahlen von 2017, FAO). Im Vergleich zu 1970 wird mengenmäßig heute weltweit ungefähr dreimal so viel an Kulturpflanzen produziert. Die regulierenden Ökosystemleistungen wie Bestäubervielfalt oder im Boden gebundener organischer Kohlenstoff sind laut dem neusten Bericht (2019) des Weltbiodiversitätsrates allerdings zurückgegangen.

Alte und seltene Kulturpflanzen zu erhalten und mit Spaß und Neugierde selbst anzubauen, stellt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Vielfalt dar.

Im nächsten Teil unserer kleinen Reihe zur Landwirtschaft und den verschiedenen Anbaumethoden erfährst Du etwas über den Einfluss der Landwirtschaft auf das Landschaftsbild.


 
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Thomas