Agri- und Horticultura: Agrarlandschaften

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Bei den Anbaumethoden fällt auf, dass in vielen von Europa geprägten bzw. beeinflussten Regionen aquatische Agroökosysteme (geflutete landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen) weitgehend fehlen bzw. marginalisiert wurden. In Asien und in Amerika reichen sie viel weiter nach Norden. Gehalten hat sich beispielsweise der Reisanbau in Süd-Europa (derzeit bis auf die Höhe der Staaten Ungarn, Österreich, Schweiz, Süd-Frankreich). Erst kürzlich wurde die Brunnenkresse-Kultur in Deutschland wiederbelebt.

Terrestrische Agroökoysteme (trockene Äcker und Gärten) sind leichter zu bearbeiten, zu pflegen und zu beernten – Gründe genug z.B. für den im ersten Teil der Serie erwähnten Preußenkönig , in seinem Hoheitsgebiet die Melioration voranzutreiben: Vor allem wollte er Sümpfe, Auen- und Bruchwälder trockenlegen und Deiche für den Hochwasserschutz bauen lassen, um Ackerland zu gewinnen. Flurbereinigungen, die Rodung von Hecken, das Einebnen der Säume und Feldraine, die Aufgabe der Realteilung folgten in den Jahrhunderten nach ihm. Splitterflächen wurden zusammengelegt, um die Landbewirtschaftung mit immer größeren Maschinen und möglichst wenigen Menschen betreiben zu können. So wurde intensiviert und rationalisiert, denn die teuren Maschinen und Geräte sollten sich schnellstmöglich amortisieren und mussten daher ausgelastet werden.

Zahlreiche kleinräumige Geländestrukturen wurden nivelliert, Lesesteinhaufen beseitigt, Sölle und Steinbrüche verfüllt, Feldgehölze und andere inselartige Lebensräume in der Agrarlandschaft vernichtet. Alte Feldwege wurden untergepflügt, mäandernde Flüsse und Bäche begradigt, ihre Betten vertieft und Dämme zum Schutz vor Hochwasser gebaut.

Ausgeklügelte Düngung, chemischer Pflanzenschutz und präzise Beregnung, künstliche Bewässerung gehören ebenfalls zu den modernen Antworten der Landwirtschaft auf die permanente Herausforderung der qualitativ hochwertigen und reichhaltigen Ernährung einer rasch wachsenden Bevölkerung. Diese konsumiert zwar täglich große Mengen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Produkte, kann und will diese aber in ihrem regulären Arbeitsleben nicht mehr selbst produzieren. Sie verlässt sich nahezu vollständig auf die Arbeitsteilung in einer Gesellschaft, die seit mittlerweile drei Generationen nicht mehr hungern muss. Der Industriestandort Deutschland erreicht beim Gemüseanbau auf 1.00.600 ha gegenwärtig einen Selbstversorgungsgrad von rund 40 % – ohne die statistisch schwer erfassbaren Kleingärtner und Selbstversorger). 60 % des angebotenen Gemüses werden importiert, Waren, die ggf. auf den Märkten der Erzeugerländer fehlen oder die dort Flächen für andere dringend benötigte landwirtschaftliche Produkte blockieren.

Die Ernährung trägt laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit 1,75 Tonnen an klimarelevanten Emissionen pro Person zu den Treibhausemissionen bei. Bei der Erzeugung und beim Transport von Lebensmitteln entstehen etwa 45 % der Treibhausgase.

Produkte aus ökologischer Erzeugung schneiden hinsichtlich der CO2-Bilanz insgesamt besser ab als Produkte aus konventionellem Anbau. Das Umweltbundesamt hält einen CO2-Rechner auf seiner Website bereit, um den eigenen Verbrauch auszurechen. Falls Du selber nachschauen willst, wie Deine Bilanz aussieht, klicke hier.

 

Thomas