Die (t)ollen Knollen – Kartoffeln

Aus einer Mutterknolle können bei guter Pflege nach etwa 8 bis 12 Wochen ordentlich viele Kartoffeln geerntet werden - je nach Sorte und Bodenbeschaffenheit kann die Ernte zwischen 5 und mehr als 50 Knollen betragen. Kartoffelpflanzen werden während des Wachstums gehäufelt, damit sie möglichst viele Knollen ansetzen und die wachsenden Knollen kein Licht abbekommen. Andernfalls würden sie grün werden und das giftige Solanin entwickeln. Da die Knollen sich während der Blüte entwickeln, wird erst geerntet, wenn die Pflanze abgeblüht und das Laub gelb verfärbt und abgestorben ist. Kartoffelpflanzen werden - je nach Sorte etwa knie- bis hüfthoch.

Keimende Kartoffeln
Erste Triebe
Gehäufelte Kartoffelpflanze
Kartoffelblüte
Kartoffelfrüchte (nicht essbar)
erntereif, Laub abgestorben
geerntete Knollen

Pflanzen

Deine Pflanzkartoffeln bringst du im April oder Mai in die Erde . Die Knollen sollten dabei bereits kurze, dicke Keime zeigen. Ist das noch nicht der Fall, kannst du sie an einem hellen, aber kühlen Ort vorkeimen lassen, zum Beispiel auf der Fensterbank. Zum Pflanzen im Beet oder Hochbeet ziehst du zunächst eine etwa 10 cm tiefe Furche und gräbst in diese für jede Knolle ein ca. 20 cm tiefes Loch, legst die Knolle mit den Keimen nach oben hinein und schüttest ein wenig lockere Erde darauf, so dass die kurzen Keime gerade so bedeckt sind. Eine Videoanleitung findest du unten.

Kartoffeln kannst Du auch in Eimern oder Kübeln anbauen. Das Gefäß sollte etwa 10 Liter Fassungsvermögen haben und im Boden ein Loch aufweisen, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann und keine Staunässe entsteht. Zur Pflanzung befüllst du den Eimer zunächst nur etwa  5-10 cm hoch mit Erde, legst die keimende Kartoffel mittig hinein und bedeckst sie anschließend mit lockerer Erde, so dass die Keime gerade nicht mehr zu sehen sind. Auch hierzu findest du eine Videoanleitung.


Kartoffeln pflanzen im Beet
Kartoffeln pflanzen im Hochbeet
Kartoffeln pflanzen im Eimer

Pflege

Sobald sich die ersten Triebe der Kartoffelpflanze zeigen, beginnst du mit dem Häufeln, indem du die Triebe immer wieder mit lockerer Erde bedeckst, so dass sie gerade nicht mehr zu sehen sind. Wie du das genau machst und warum das der Pflanze guttut, kannst du hier nachlesen. Im Beet oder Hochbeet wird nach und nach das Pflanzloch mit Erde gefüllt und anschließend weiter gehäufelt bis ein Damm entsteht, der jedoch nicht höher als 20 cm sein sollte.

Wenn du deine Kartoffeln im Eimer anbaust, häufelst du ebenfalls, indem du die Triebe immer wieder mit lockerer Erde bedeckst, so dass sie gerade nicht mehr zu sehen sind. Das machst du so lange bis der Eimer ganz gefüllt ist. Lass jedoch oben einen kleinen Gießrand, damit beim Gießen kein Wasser überläuft.

Einige Kartoffelpflanzen entwickeln aus der Blüte kleine grüne Beerenfrüchte. Achtung: diese Beeren enthalten Solanin und sind daher giftig. Also bitte nicht essen. Gegessen werden nur die unterirdisch wachsenden Knollen. Kartoffeln können sich über zwei Wege vermehren - über die in den Früchten befindlichen Samen (generative Vermehrung) oder über die Knollen (vegetative Vermehrung). Mehr Informationen findest du hier. Wenn du keine Kartoffeln aus Samen ziehen möchtest, kannst du die Früchte unbeachtet lassen.

Übrigens: Kartoffelpflanzen werden bis zur Ernte relativ groß und ausladend. Du kannst das Kraut, wenn es dir zu viel Platz im Beet oder dem Balkon einnimmt auf eine Seite legen oder auch anbinden.

Kartoffeln häufeln im Eimer
Wie wässern?

Kartoffeln müssen nach der Pflanzung zunächst nicht gegossen werden, denn die Knollen haben selbst viel Wasser gespeichert. Außerdem kann es in den noch frischen Aprilnächten kühl werden - feuchte Erde kühlt schneller aus als trockene und würde den kälteempfindlichen Knollen und vor allem deren Keimen in Frostnächten sehr schaden zusetzen.

Spätestens, wenn die Kartoffelpflanze zu blühen beginnt, solltest du den Boden stets gleichmäßig feucht halten. Während der Blüte bilden sich die Knollen. Sie benötigen zum Wachsen und damit sie nicht aufplatzen eine gleichmäßige Versorgung mit Wasser. Sobald das Laub der Kartoffelpflanze vergilbt und abzusterben beginnt, brauchst du nicht weiter zu gießen.


Ernte

Wann ernten?

Nach der Blüte, wenn das Laub sich gelb verfärbt und abstirbt, beginnt die Erntezeit. Besonders lecker schmecken die Knollen, wenn das Laub schon richtig abgestorben aussieht. Das kann je nach Sorte 70 bis 180 Tage ab der Pflanzung dauern. Unser Tipp: Richtig ausgereifte Kartoffeln, also solche die länger in der Erde bleiben, schmecken intensiver und sind weniger wässrig als zu früh geerntete. Sie haben eine feste Schale, die sie vor dem Austrocknen und vor Beschädigungen schütztund Licht schützt sowie ihre Lagerfähigkeit verbessert. Früh geerntete Kartoffeln haben hingegen eine zarte Schale und sind daher nicht lagerfähig. Sie sollten möglichst bald nach der Ernte gegessen werden.

Wie ernten?

Bevor die Kartoffel auf deinem Teller landet, kommt der schönste Teil:  Kartoffeln ernten ist wie Ostereier suchen! Deine Kartoffeln findest du im Abstand von etwa 20 - 30 cm um die Pflanzstelle herum. Geerntet wir am besten bei trockenem Wetter. Wie du am besten erntest, hängt von deiner Anbauweise ab:

  • Im Beet stichst du einen Spaten oder Grabegabel etwas von der Pflanze entfernt, aber tief ein, hebst die Erde an und lockerst sie so. Fasse die Pflanze am welken Kraut an und nimm so die Knollen mit aus dem Boden. Da Knollen abfallen können, mit den Händen in der Erde nachsuchen,- aber bitte ohne spitze Geräte, um die Kartoffeln nicht zu beschädigen.
  • Für das Hochbeet gilt im Prinzip dasselbe Vorgehen, nur hast du hier weniger Platz. Daher empfehlen wir statt eines Spatens eine Handschaufel
  • Kartoffeln im Eimer erntest du, indem du eine Plane oder Folie auslegst, den Eimer darauf umstürzt und die Kartoffeln herausklaubst

Schädlinge

Welche Schädlinge kann ich beobachten?

Nicht nur uns Menschen schmeckt die Kartoffel: Auch bei Kartoffelkäfern, Nematoden (Fadenwürmern), Blattläusen, Engerlingen und Mäusen steht sie auf dem Speiseplan.  


Kartoffelkäfer
Fraßstellen durch Engerlinge
Drahtwürmerlöcher
Fraßstellen von Mäusen
Blattläuse
Was kann ich gegen Schädlinge machen?

Nützlinge

Welche Nützlinge kann ich beobachten?

Du kannst natürlich nicht nur “Schädlinge”, sondern auch Nützlinge an deinen Kartoffelpflanzen beobachten: Zum Beispiel Marienkäfer, Flor- und Schwebfliegenlarven, die ihrerseits wieder die “Schädlinge” zum Fressen gern haben. 

Marienkäfer
Chrysopidae indet. (Chrysopidae) - (larva), Arnhem - Schuytgraaf, the Netherlands
Florfliegenlarve
© B. Schoenmakers/CC BY 3.0/Wikimedia Commons
Larve de Syrphe (Syrphus sp.) en train de manger un puceron (Pennsylvanie, USA)
Schwebfliegenlarve
© Beatriz Moisset/CC BY 3.0/Wikimedia Commons

Wusstest du ...

  • ... dass Kartoffeln - je nach Sorte - in ganz unterschiedlichen Farben blühen können?
  • ... dass Kartoffeln sowohl über Samen (generativ) also auch über Knollen (vegetativ) vermehrt werden können? Mehr Informationen dazu findest du hier
  • ... dass Kartoffeln Starkzehrer sind?
  • ... dass es einen Unterschied zwischen Speisekartoffeln und Pflanzkartoffel gibt? Welcher das ist, erfähst du hier.
  • ... dass das Vorkeimen der Kartoffeln gerade im ökologischen Anbau eine der wichtigsten Maßnahmen zur Ertragssicherung ist und man so auf teure Pflanzenschutzmittel gegen Krautfäule verzichten kann. Das Vorkeimen bewirkt eine zeitliche Vorverlegung der ertragsbildenden Phase um zehn bis 14 Tage. Da sich die Knollen beim Auftreten von Krautfäule und Kartoffelkäfern bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befinden, können diese den Kartoffeln weniger schaden.
  • ... dass Kartoffeln frühestens nach vier Jahren wieder an der gleichen Stelle angebaut werden können?
vergrünte Kartoffel
Kartoffelfrüchte

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Black Turtle – Alte Sorten für junges Gemüse – ist ein Projekt von Ackerdemia e. V., gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Verbundvorhabens “Alte Sorten für junges Gemüse“ zusammen mit dem BUND Brandenburg.