Saatgutvermehrung von Bohnen

Ob Botanik-Expert*in oder nicht: Bohnen-Saatgut hat jede*r schon einmal gesehen – und gegessen! Denn das Saatgut der Bohnen besteht aus nichts anderem als den geernteten Bohnen selbst. Dementsprechend einfach ist auch die Saatgutgewinnung, die nach der Ernte der voll ausgereiften Hülsen nur wenige weitere Schritte von dir verlangt.

Alles Wissenswerte zur Ernte & Pflege deiner Bohnen erfährst du übrigens in hier.

Saatguternte

Sind die Blätter gelb und wächst sie nicht mehr weiter, kann die ganze, nun absterbende Pflanze ausgerissen und zum Nachreifen an einem luftigen, schattigen Ort aufgehängt werden. Am besten bündelst du alle Pflanzen einer Sorte und notierst den Sortennamen und das Erntedatum auf einem Etikett, das bei allen Arbeitsschritten mitgeführt wird. Sobald sich die Hülsen nicht mehr biegen lassen, sondern leicht brechen, kannst du sie händisch aufarbeiten (also öffnen) oder dreschen.

Als Trockenbohne erntereife 'Black Turtle'-Pflanze

Mehrere ausgerissene 'Saxa'-Pflanzen werden zum Trocknen gebündelt

ausgerissene 'Saxa'-Pflanzen zum Trocknen aufgehängt

totreife 'Saxa'-Pflanzen


Die Früchte ursprünglicher, fädiger Sorten wie ‘Black Turtle’ öffnen sich leicht, springen vielleicht sogar auf und verstreuen die Samen. Sicherheitshalber kannst du die im Morgentau geernteten Pflanzen oder wenigstens die Hülsen in einem Netzsack nachreifen und trocknen lassen. Die Früchte fadenloser Sorten öffnen sich nicht von allein. Sie sind auch schwerer zu dreschen und besser von Hand auszupulen, um die empfindlichen Keime nicht zu verletzen.  

Beim Abbrechen des Fruchtansatzes sind bei den 'Black Turtle' Hülsen die Fäden deutlich sichtbar. Die Hülsen lassen sich dadurch sehr leicht öffnen.

Samen und Hülsen von 'Black Turtle'

Beim Abbrechen des Fruchstansatzes der 'Saxa'-Hülse sind keine Fäden vorhanden. Das Ausdreschen ist bei dieser Sorte mühsamer.

Samen und Hülsenreste von 'Saxa"

Reinigung & Lagerung 

Gedroschen wird mit Gefühl. Dazu sammelst du die trockenen Hülsen in einem stabilen Sack oder Beutel und trittst sie z. B. mit den Füßen aus. Alternativ kannst du sie auch mit einem Nudelholz auf einer weichen Unterlage walzen. Kleinere Mengen solltest du besser von Hand aufarbeiten.
Nach der Reinigung enthalten die trocken erscheinenden Bohnensamen oft immer noch etwas Wasser. Ein paar Wochen in einer geschlossenen Papiertüte aufbewahrt und ab und an gewogen, können sie in dicht schließende Gläser umgefüllt werden, wenn das Gewicht der Ernte sich nicht mehr verringert.

Dabei solltest du darauf achten, dass das Glas nicht beschlägt und dass sich am Boden kein Mehl sammelt: Das könnte ein Hinweis auf Bohnenkäfer sein! Deren Larven fressen sich in die Samen hinein und nagen erst kurz vor dem Schlupf eine kreisrunde Öffnung in die Bohnen. Löchrige Bohnen wurden von der nächsten Käfergeneration bereits verlassen, die sich nun schleunigst paaren, Eier legen und dafür sorgen, dass sich dein Vorrat an Bohnensamen in Staub auflöst. Um Larven und Käfer loszuwerden, lege die Bohnensamen mehrmals alle zwei bis vier Wochen für ein paar Tage in die Tiefkühltrühe. Frisch abgelegte Eier überleben die Frostbehandlung. Die Larven schlüpfen aber, sobald es wärmer wird und sterben bei wiederholter Tiefkühl-Behandlung ab. Trotz geringen Käferbefalls können die Bohnen mitunter noch keimen, das Saatgut seltener Sorten bei Befall also nicht gleich entsorgen!

Zur Saatgutvermehrung taugen übrigens nur reife Bohnen. Unreife Bohnen solltest du baldmöglichst verbrauchen. Trockene, reife Samen kannst du mehrere Jahre lang dunkel, kühl und trocken aufbewahren und noch bis zu 4-5 Jahre lang aussäen. 

Bohnenkäfer
© Tobias 67, Acanthoscelides obtectus TP08, CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons
Bohnenkäfer in Samen
© Rasbak, Bonenkever Acanthoscelides obtectus, CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

Black Turtle – Alte Sorten für junges Gemüse – ist ein Projekt von Ackerdemia e. V., gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Verbundvorhabens “Alte Sorten für junges Gemüse“ zusammen mit dem BUND Brandenburg.