Canetti mal ganz anders

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Hatte ich Euch nicht versprochen, die nächsten appetitlich aussehenden, grünreifen Spaghetti-Canetti-Früchte zu ernten, ehe die Samen ganz ausgereift sind? Zu behaupten, dass mir das nicht besonders schwer gefallen ist, wäre gelogen. Nein, ehrlich, es hat mich schon einiges an Überwindung gekostet. Ein schlechtes Gewissen ist also geblieben, denn sie hätten es noch locker bis zur Abreife geschafft. Überhaupt: Nur, weil wir ihr Schreien nicht hören, Pflanzen oder Teile von ihnen abzurupfen, um sie anzubraten oder gleich roh zu verzehren, nimmt dem Vorgang nicht die Brutalität.

Nun denn, es ist jedenfalls passiert, ich bin über meinen Schatten gesprungen: Ganze fünf dieser wunderschönen Schlangenbohnen habe ich in kleine Stücke geschnitten und kurz mit etwas Öl angebraten, eine Prise Curcuma hinzugefügt und die Bohnen noch in der Pfanne mit etwas Salz gewürzt. Als Beilage habe ich Reis mit Linsen gewählt, die ja wie die Schlangenbohnen zu den wohlschmeckendsten Leguminosen gehören.

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Das immerhin kann ich bestätigen: Der Geschmack der Schlangenbohnen ist phantastisch. Gewissen hin oder her, es war ein wunderbares, gut sättigendes und doch leichtes Abendessen, von der Menge her gut ausreichend für zwei Personen. Durchaus möglich, dass sich dieser Sündenfall wiederholt, bis der Frost die Bohnen dahinrafft und uns für diese Ackersaison endgültig aus dem kulinarischen Paradies der zahllosen selbst geernteten Frischgemüse vertreibt.

Thomas