Komposterde untergraben oder obenauf liegen lassen?

Frage:

Wie fängt man im Garten an? Ich habe noch frische Komposterde! Soll ich die vorher unterhacken ?

Antwort:

Entweder bzw. so wohl als auch oder: Die Kompostierung ist ein permanent ablaufender Prozess im Kreislauf zwischen belebter und unbelebter Natur. Frischer, organischer Bestandsabfall wird recycelt und dient abbauenden Organismen wie Bodentieren, Pilzen und Bakterien als Nährstoff- und Energiespender, aber auch als Lebensraum. Je weiter der Abbau bzw. die Rotte oder Mineralisierung vorangeschritten ist, desto reifer der Kompost, desto geringer aber auch wieder das verbleibende Bodenleben darin. Anorganische Nährstoffe, die z.B. an Ton-Humus-Komplexe gebundenen und auf diese Weise vor dem Auswaschen geschützt sind, können besonders leicht von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen werden, die ein lockeres, krümeliges Substrat leichter zu durchdringen und zu erschließen vermögen als schwere, verdichtete und daher sauerstoffarme Böden. Allein die bessere Bodenstruktur kann schon ein üppiges Pflanzenwachstum bedingen. Insofern ist es immer gut, Jungpflanzen mit reifem Kompost zu versorgen und ihnen so ideale Startbedingungen zu geben.

Frischer Bestandesabfall sollte vor dem Einarbeiten in den Boden unbedingt angerottet und möglichst durchgetrocknet sein. Je nach Konsistenz sind mindestens ein paar Tage (Rasenschnitt, Unkräuter), mehrere Wochen (frischer Heckenschnitt, Herbstlaub) oder gar etliche Monate (Äste, Holzschnitzel) erforderlich, die das Material Wind und Wetter ausgesetzt wird. Die vom Luftsauerstoff abhängigen Prozesse der Initialphase können im Boden nicht wie gewünscht ablaufen. Es kommt zu anaeroben Fäulnisprozessen, die luftatmenden Tieren, aber auch Pflanzenwurzeln schaden und von diesen daher gemieden werden. Handelsüblicher Rindenmulch besteht aus schwer abbaubarer Borke und ist daher für die Kompostierung ungeeignet.

Wer viel angerottetes Material im Garten hat, kann sich über eine Flächenkompostierung (30 - 50 cm hoch mulchen) das Umgraben sparen und starkzehrende Arten wie Tomaten und Kürbisse direkt in die Mulchschicht pflanzen. Eine Schaufel reifen Kompost in das Pflanzloch geben, dieses dann mit Wasser füllen, kann das Pflanzenwachstum schon ordentlich fördern. Die im Mulch ablaufenden Rotteprozesse setzen nicht nur Nährstoffe, sondern auch Wärme frei, die den Pflanzen zugute kommt.

Für Gemüsearten, die das Mulchen schlecht vertragen, die Nährstoffe aber durchaus benötigen, ist das Untergraben des angerotteten Mulches die bessere Alternative: Bete, Mangold und Kohlgewächse seien als Beispiele genannt. Schwachzehrer wie Bohnen, Möhren und Zwiebeln können auf eine reiche Nährstoffzufuhr gut verzichten; sie profitieren wie alle Kulturpflanzen aber von der sich Jahr für Jahr verbessernden Bodengare und dem sich auf hohem Niveau stabilisierenden Humusgehalt des Bodens.

Ein Video-Tutorial zum Thema “Umgraben” findest Du hier.

Thomas