Natur & Umwelt

Storchschnäbel und Fuchsschwänze – tierische Unkräuter am Beet

Tiere begegnen einem nicht nur rund um Beet und Balkon, sondern mitunter auch in vielen Pflanzennamen. Passend zu unserem Monatsthema stellen wir dir fünf Unkräuter mit "tierischen" Namen vor:

Vogelmiere (Gewöhnliche Vogel-Sternmiere)

Stellaria media (L.) Vill. (Bildquelle: Irene Knöchel-Schiffer)

Diese anpassungsfähige Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse hast du bestimmt schon während eines Feldspazierganges oder gar in deinem Garten entdeckt, ist sie doch eines der häufigsten Un- oder Beikräuter in den gemäßigten Breiten unserer Erde. Ihr Kraut und ihre Samen sind eine Leibspeise vieler Vögel, denen die Vogelmiere ihren umgangssprachlichen Namen verdankt. Gärtner*innen ist die Pflanze durch ihre Hartnäckigkeit bekannt: Die Pflanze kann bis zu 15.000 Samen ausbilden und abgebrochene Pflanzenteile bilden rasch neue Wurzeln aus.

Doch nicht überall ist die Vogelmiere als Unkraut verschrien: In China wird sie sogar als Delikatesse angebaut. Bei guten Bedingungen entwickelt die Pflanze größere Blätter, die auch als vitaminhaltiger Salat verwendet werden können. Wegen des hohen Gehalts an Saponin sollte man sich beim Verzehr jedoch nicht übernehmen.

Weißer Gänsefuß

Chenopedium album

Auch als "Ackermelde" bekannt, ist diese Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse ebenfalls eine Kosmopolitin: Man findet sie nahezu auf der ganzen Welt in den gemäßigten bis subtropischen Klimazonen, hierzulande oft in Gemüsebeeten und auf landwirtschaftlich genutzten Feldern. Die toughe Pflanze wächst in bis zu 4.300 Metern und kann in seltenen Fällen eine Höhe von drei Metern erreichen.

Der Weiße Gänsefuß versorgt Raupen, Vögel und Rehwild mit Nahrung. Früher war er ein beliebtes Tierfutter – zum Beispiel für Hausgänse, woher die Pflanze auch ihren Namen hat. Ihr hoher Mineralstoff- und Vitamingehalt macht sie in Teilen Indiens und des Himalayas zu einer begehrten Nahrungspflanze. Gemischt mit anderen Wildgemüsearten wie etwa Giersch lassen sich schmackhafte, gesunde Salate aus ihr zaubern.

Schlitzblättriger Storchschnabel

Geranium dissectum

Ein besonders häufig vorkommendes Exemplar aus der Familie der Storchschnabelgewächse, das dir auf Äckern, an Wegesrändern und häufig auch im Garten begegnen kann. Der Schlitzblättrige Storchschnabel bevorzugt Lehmböden und gilt daher auch als relativ sicherer Hinweis auf Lehm. Die Pflanze wächst i. d. R. 10-40 cm hoch und hat sich von Europa aus bis nach Westasien verbreitet.

Blüten des Schlitzblättrigen Storchschnabels (Bildquelle: Didier Descouens / Wikimedia Commons / CC BY-SA4.0)

Die Namensherkunft erklärt sich, wenn die Pflanze ihre länglichen Fruchtstände ausbildet, die wie Storchenschäbel in die Höhe ragen (siehe Bild 2). Auch der Gattungsname "Geranium" rührt daher, er leitet sich vom griechischen Wort "geranos" (Kranich) ab. Derselben Pflanzenfamilie der Storchschnabelgewächse sind übrigens auch die als "Geranien" gehandelten Zierpflanzen zugehörig, die aus der Gattung der Pelargonien stammen.

Garten-Wolfsmilch

Euphorbia peplus

Achtung, giftig! ☠ 😱

Die Garten-Wolfsmilch trägt ihren "bedrohlichen" Namen ihres Milchsaftes wegen. Dieser enthält nämlich starke Reizstoffe, die Haut und Schleimhäute reizen können. Sollte dir ein Exemplar in deinem Beet begegnen, berühre es daher nur mit Handschuhen. Pflücken oder gar essen sollte man die Wolfsmilch auf keinen Fall!

Neben Gärten besiedelt die Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) bevorzugt Äcker mit frischem bis mäßig trockenen Böden. Obwohl die Pflanze als Giftpflanze gilt, könnte sie in Zukunft auch von medizinischem Nutzen sein. So wird einer ihrer Inhaltsstoffe, das Ingenolmebutat, als Arzneistoff gegen Keratose untersucht.

Aufsteigender Fuchsschwanz

Amaranthus blitum

Der Aufsteigende Fuchsschwanz zeigt einmal mehr, dass die Bewertung einer Pflanze als "Unkraut" oder "Nutzpflanze" ausschließlich nach subjektiven menschlichen Maßstäben erfolgt: Entdeckt man die Pflanze als "unerwünschtes" Gewächs in einem Beet zwischen anderen, gezielt angebauten Kulturpflanzen, gilt sie schnell als "Un-" oder "Beikraut". Wächst sie abseits der Beete und nimmt den angebauten Pflanzen daher weder Platz noch Nährstoffe, so kann der Aufsteigende Fuchsschwanz als nahrhafte Gemüsepflanze gesehen werden, deren Blätter als Delikatesse gelten.

Wahrscheinlich im Mittelmeerraum heimisch, hat sich die Pflanze über die gesamten tropischen und gemäßigten Zonen der Welt ausgebreitet. In Afrika ist der Aufsteigende Fuchsschwanz eine Kulturpflanze und wird vor allem im Osten und der Mitte des Kontinents angebaut.

Ihren Namen verdankt die Pflanze sowie die gesamte Familie der Fuchsschwanzgewächse den "buschigen" Blütenständen, wie man an dieser Amaranth-Pflanze im Black Turtle-Beet gut erkennen kann:

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